Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Weiteres

Login für Redakteure

Examensarbeit Beyer

Beyer, M. 2012: Biotechnologien im Biologieunterricht

Zusammenfassung:

Aus den beiden Fragestellungen "Inwieweit können Schülerlabore positive Wirkungen auf schülerinterne Merkmale hervorrufen?" und "Erfahren auch bio- und gentechnisch orientierte Schülerlabore in der deutschen Schulkultur Akzeptanz?" können zugleich die Zielstellung dieser Arbeit abgelesen werden - nämlich eine Antwort darauf zu finden, inwiefern das hochgesteckte Ziel, deutsche Schüler empfänglicher für naturwissenschaftlichen Unterricht zu machen, durch Labore als außerschulische Lernorte gelingen kann. ImFokus steht dabei eine Untersuchung zu Zusammenhängen zwischen den Konstrukten Akzeptanz, Sachinteresse und dem Fähigkeitsselbstkonzept der Schüler.

Diese Arbeit fußt auf der Akzeptanztheorie nach Lucke, die Akzeptanz als Relation zwischen Personen (Akzeptanzsubjekt), Gegenständen oder Sachverhalten (Akzeptanzobjekt) und den gegebenen Bedingungen (Akzeptanzkontext) versteht. Bedeutsam für die Akzeptanz des Lernorts Labor ist dabei u.a. die Art und Weise, wie bestimmte Labor- und Veranstaltungsvariablen (wie Authentizität, Handlungsbezug, Organisation von Leistungsrückmeldungen etc.) von Schülerinnen und Schülern wahrgenommen werden und letztendlich zu einer positiven Grundhaltung der Besuchenden zum Lernort Labor führen. Darüber hinaus wird der Einfluss dieser Prozessvariablen auf das schülerinterne Sachinteresse an Fachinhalten und den Wirkungen auf das Fähigkeitsselbstkonzept untersucht.

Die Datenerhebung ist am auf Bio- und Gentechnik spezialisierten Schülerlabor "BioS" in Braunschweig vom 16. Juni bis 23. Juni 2012 durchgeführt worden. Für die Fragebogenerhebung, die als Posttest angelegt ist (Befragung der Schülerinnen und Schüler sofort im Anschluss an deren Besuch), wurden die Antorten von über 100 Schülerinnen und Schülern ab der 10. Jahrgangsstufe ausgewertet.

Die Quintessenz dieser Datenerhebung ist dabei, dass sich das Schülerlabor als außerschulischer Lernort großer Beliebtheit und Akzeptanz erfreuen darf. Dies wird nicht nur durch äußerst hohe (und weiter steigende) Besucherzahlen und teilweise langen Wartezeiten (von bis zu einem Jahr) deutlich, sondern auch durch positive Ergebnisse bei Merkmalen, die als Akzeptanzindikatoren diesen. Genannt seien hier hohe affektive und handlungsbezogene Tendenzen der Schülerinnen und Schüler (Spaß beim Experimentieren etc.) Auch kognitive Merkmale, vor allem das Sachinteresse, liegt nach dem Besuch am Schülerlabor in hohem Maß vor und weist eine signifikante Verbindung auf zum veranstaltungsvermittelten Handlungsbezug für Schülerinnen und Schüler. Im Weiteren ist eine signifikante Verbindung zwischen dem Sachinteresse an den Lerninhalten und dem naturwissenschaftlichen Fähigkeitsselbstkonzept der Schülerinnen und Schüler zu finden, was darauf hinweist, dass der Besuch am Schülerlabor indirekt positive Wirkungen auch auf das naturwissenschaftliche Selbstkonzept von Schülerinnen und Schülern hat.

Alles in Allem lässt sich sagen, dass auch in einem ethisch-moralisch hochreflektierten Land wie Deutschland der theoretische (und praktische!) Unterricht von Methoden und Arbeitsweisen diskutabler Bereiche wie der Gentechnik akzeptiert ist und Bildungsangebote von Lehrern und Schülerinnen und Schülern in großer Zahl wahrgenommen werden. Das Wahrnehmen der Bildungsangebote von Schülerlaboren in großem Umfang und die enge Zusammenarbeit zwischen authentischen Lernorten und Schule sollte so das Ziel ermöglichen, Jugendliche begeisterungsfähiger für Naturwissenschaften zu machen. Dass Schülerlabore die Möglichkeit dazu bieten wurde in dieser Untersuchung unter Beweis gestellt.

Zum Seitenanfang